Pressemitteilung Nr. 2/2012 vom 08. August 2012 – Verband Deutscher Marktgestalter: Appell an die Kommunen

KÖLN/AACHEN – Der Nutzen sonntäglicher Floh- und Trödelmärkte für die Städte und Gemeinden bundesweit ist wichtig und vielfältig. Hierauf weist der Verband Deutscher Marktgestalter in NRW e. V. (VDM) hin. In Anbetracht der desolaten Lage vieler Kommunalhaushalte erscheint ein Verzicht auf durchschnittlich 3,6 Millionen Euro pro Jahr nicht nachvollziehbar – ein Betrag, der sich allein nur aus Gebühren im Rahmen der Festsetzungs- und Genehmigungsverfahren im bundesweiten Durchschnitt bei rund 12.000 Sonntags-Märkten ergibt. Hinzu kommen weitere finanzielle Einnahmen wie Sondernutzungsgebühren, Mieten und Gewerbesteuern ansässiger Markthändler und -veranstalter, die die größte kommunale Einnahmequelle bilden. Die Höhe der Festsetzungsgebühren erweist sich überdies als flexibel, da die Kommunen im Rahmen ihrer Satzungen auf Gebührenspannen zurückgreifen können, die sich nach Art und Größe der Veranstaltung sowie dem Verwaltungsaufwand richten.

Auch Kooperationen mit privaten Marktveranstaltern im Zusammenhang mit Rekommunalisierungsmaßnahmen, die in vielen Haushaltssicherungskonzepten vorgesehen sind, würden zu weiteren Einnahmensteigerungen sowie zu einem positiven Effekt auf die lokale und regionale Wirtschaftsförderung führen. Zudem weist der VDM auf die hohe Relevanz von Floh- und Trödelmärkten im Hinblick auf den Arbeitsmarkt hin, da allein auf Marktveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen rund 40.000 Gewerbetreibende vertreten sind, die auf Verkaufsmöglichkeiten außerhalb der regulären Öffnungszeiten finanziell angewiesen sind. Der Aspekt des regionalen Arbeitsplatzpotentials darf daher nicht aus dem Blick geraten.

Die genannten ökonomischen Effekte sonntäglicher Märkte werden ergänzt durch gesellschaftliche und sozialpolitische Aspekte. Jede einzelne Kommune kann mithilfe von Marktveranstaltungen zu einer lokalen und unmittelbaren Bedarfsdeckung beitragen und wird so ihrem Auftrag zu kommunaler Daseinsvorsorge gerecht, indem einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit gegeben wird, kostengünstig im wohnortnahen Umfeld Freizeit zu gestalten sowie gebrauchte und im stationären Einzelhandel aussortierte Waren zu erwerben. Zugleich wird auf diese Weise der Mentalität der „Wegwerfgesellschaft“ entgegengewirkt. In Bezug auf multikulturelle Händler und Besucher muss ebenfalls die wichtige Integrationsfunktion von Trödelmärkten angeführt werden, da auf kommunaler Ebene die Gelegenheit besteht, kulturellen Traditionen des Handelns nachzukommen. Auf diese Weise kann nicht nur die historische Funktion von Märkten aufrechterhalten, sondern auch die Identifikation mit der Heimatkommune jedweder Bevölkerungsgruppe gestärkt werden.

Hiervon profitieren können darüber hinaus auch kommunales Tourismus- und Stadt-Marketing: Aufgrund der Einbindung touristischer Aufgaben in das öffentliche Stadt-Marketing kann durch kommunale Veranstaltungen auch das Einzugsgebiet von Besuchern aus dem lokalen hin zum überregionalen Bereich ausgedehnt werden, indem durch eine Kombination aus sonntäglichem Städtetourismus und Erlebniseinkauf das Freizeit- und Kulturangebot der Gemeinden an die Bürger attraktiviert wird. Hierzu kann ebenfalls die Nutzung oder sogar Wiedernutzbarmachung brachliegender kommunaler Flächen für Marktveranstaltungen beitragen, durch die zugleich Nebenlagen eine Aufwertung erfahren. Denn auch der in 1b-Lagen ansässige Einzelhandel würde durch ein Verbot der Anrechnung der in NRW gesetzlich zulässigen vier verkaufsoffenen Sonntage auf einzelne Stadtteile nachträglich gefährdet und verdrängt. Dies kann nicht im Sinne der Kommunen sein, die in der Vergangenheit erheblich in die Wiederauflebung der städtischen Nebenzentren investiert haben.

Der VDM weist im Zusammenhang der aktuellen Vorwürfe vonseiten des Einzelhandelsverbandes Ruhr e. V. gegenüber sonntäglichen Marktveranstaltungen daher ausdrücklich auf den Wert und die Bedeutung von Floh- und Trödelmärkten an Sonn- und Feiertagen für Kommunen und die gesamte lokale Ebene hin. Der Appell, an der bisherigen Festsetzungs- und Genehmigungspraxis in NRW festzuhalten, richtet sich daher an die Verwaltungsbehörden der Städte und Gemeinden, die in vielfältiger Weise hiervon profitieren.

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