Pressemitteilung Nr. 1/2012 vom 23. Juli 2012 – Verband Deutscher Marktgestalter setzt sich für Erhalt von Märkten an Sonn- und Feiertagen in NRW ein

KÖLN/AACHEN – Die Durchführung von Marktveranstaltungen außerhalb der regulären Ladenöffnungszeiten basiert auf bundesrechtlich verankerten Marktprivilegien, wie der Verband Deutscher Marktgestalter in NRW e. V. (VDM) mitteilt. Die in der Gewerbeordnung definierten Festsetzungsbestimmungen stehen daher in Einklang mit landesrechtlicher Ladenöffnungsgesetzgebung in Nordrhein-Westfalen. Dies ergab ein durch den VDM in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten.

Der VDM reagiert damit auf die aktuellen Vorwürfe vonseiten des Einzelhandelsverbandes Ruhr e. V. gegenüber sonntäglichen Marktveranstaltungen. Der Regionalverband sehe im Marktwesen eine Konkurrenzstellung zum stationären Einzelhandel aufgrund einer Übervorteilung durch Marktprivilegien. Der VDM betont, dass diese eine traditionelle
Ausgestaltung historisch gewachsener Funktionen von Marktveranstaltungen darstellen
und damit für die Erhaltung eines funktionierenden Marktwesens sorgen, das im
Interesse der Allgemeinheit sowie der kommunalen Wirtschaft liegt und letztlich
eine lokale und unmittelbare Bedarfsdeckung sichert.

„Eine Übervorteilung in der Position der Marktbranche zu sehen, stellt einen Vergleich zwischen David und Goliath dar. Während Marktveranstaltungen lediglich zwölf Verkaufssonntage pro Jahr nutzen können, stehen dem stationären Einzelhandel mindestens 321 reguläre Verkaufstage zu, die zusätzlichen Verkaufssonntage noch nicht miteinbezogen,“ wie Norbert Hermanns, stellvertretender Vorsitzender des VDM, erläutert.

Dies macht sich ebenfalls am Umsatz bemerkbar: Während der Einzelhandel bundesweit einen Anteil von knapp 80% verzeichnet und auf den stark wachsenden Internet- und Versandhandel rund 20% entfallen, erwirtschaften Marktveranstaltungen lediglich 0,4% vom Gesamtumsatz. Auf den über Märkte generierten Anteil am deutschen Einzelhandelswarenabsatz entfallen dabei sogar nur 0,27%, wie der VDM weiter mitteilt.

Es stelle sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, die ebenfalls den weiteren Vorwurf des überhöhten Neuwaren-Anteils betreffe, wie Herrmanns weiter ausführt. Die als Jahrmärkte festgesetzten Trödelmärkte bieten neben Gebraucht- auch geringwertige Neuwaren an, die in Form von Rest- und Sonderposten von ihren Anbietern meist über Altbestände des Einzelhandels bezogen werden. Hieraus lasse sich nicht nur die ökonomische Funktion von Marktveranstaltungen ableiten, indem sie dem Einzelhandel als Abverkaufsventil dienten, sondern ebenso wesentliche soziale
und ökologische Aspekte, wie der zuständige Verband darlegt: „Der Mentalität
der ‚Wegwerfgesellschaft’ wird mit den Jahrmarktskonzepten unserer Mitglieder
entgegengewirkt.“ Sie sicherten nicht nur die mehrfache Verwendung gebrauchter
und geringwertiger neuer Waren, sondern auch die Möglichkeit für einkommensschwache
Bevölkerungsgruppen, kostengünstig im wohnortnahen Umfeld die im stationären
Einzelhandel aussortierten Artikel zu erwerben.

Der VDM weist daher ausdrücklich darauf hin, dass eine Veränderung der derzeitigen
Genehmigungspraxis nicht nur die Existenz der zahlreichen Marktgestalter, sondern
auch die der rund 40.000 (Kleinst-)Gewerbetreibenden in NRW nachhaltig
gefährden würde. Hierzu gehört ebenfalls der hohe Anteil von Markthändlern mit Migrationshintergrund, die auf den Verkauf ihrer Waren auch an Sonn- und Feiertagen angewiesen sind. Dies verdeutlicht sowohl die Bedeutung von Marktveranstaltungen als Plattform für multikulturelle Integration als auch deren wichtige ökonomische Relevanz in
Bezug auf den Arbeitsmarkt.

Der VDM vertritt seit mehr als 20 Jahren die Interessen von ca. 170 Marktgestaltern in Deutschland mit Schwerpunkt in NRW. Damit sind mehr als 70% der Marktveranstaltungen in Deutschland durch den VDM repräsentiert. Hinter unseren Mitgliedern stehen rund 40.000 kleine Gewerbebetriebe in NRW sowie ca. 150.000 Anbieter privaten Trödels.

Pro Jahr finden bundesweit ca. 35.000 Marktveranstaltungen statt, davon
rund 12.000 an Sonn- und Feiertagen, mehr als die Hälfte von ihnen werden durch
Mitglieder des VDM organisiert. Durchschnittlich besuchen 175 Mio. Menschen
Trödelmärkte pro Jahr. Auf Nordrhein-Westfalen entfallen hierbei rund 35 Mio.
Besucher.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Pressemeldungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.