Marktgestalter bieten Unterstützung an!

kreative Initiative ist zur Stärkung der Mülheimer Innenstadt gefragt. Diese bieten erfahrene Gestalter des Verband Deutscher Marktgestalter (VDM) den Geschäftsleuten an.

Andre Heistermann, seit einigen Monaten neuer Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Essen Mülheim hat eine Allianz zur Reglementierung sonntäglicher Marktveranstaltungen aus Kirche, Gewerkschaft und Schaustellern geschmiedet, um den gemeinsamen Gegner, knapp 50 beim Volk sehr beliebte Marktveranstaltungen in enge Grenzen zu weisen.

Recht polemisch und völlig pauschal wird der massenweise Verkauf von Hehlerware, unhygienische Verhältnisse, Kriminalität, Markenpiraterie und allerhand andere Niederungen behauptet.

Das Ganze wurde mit großer Empörung, heftiger Präsentation der angeblich unhaltbaren Missstände in der Stadtverwaltung und bei allen Fraktionen, sowie intensiver Vorstellung in den Medien professionell inszeniert.

Die vorgenannte Allianz wirkt so überzeugend und erscheint in ihrer Pluralität so glaubwürdig, dass die Mülheimer Politik ohne umfassende Prüfung des Sachverhaltes im Detail, fraktionsübergreifend schon einen Antrag zur Reglementierung der Trödelmärkte gestellt hat.

Leider sind die Vorwürfe und Behauptungen von Herrn Heistermann und der von ihm inszenierten Allianz viel zu pauschal, weitgehend unzutreffendund haben nur ein wesentliches Ziel: sie sollen von den eigentlichen Problemen der Akteure ablenken und Aktivität suggerieren, wo viel besser Kreativität helfen würde!

Dazu im Einzelnen:

Der EZV steht vor der wirklich schwierigen Aufgabe seinen Mitgliedern in der Mülheimer Innenstadt eine klare und erfolgreiche Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Umringt von Schwergewichten des Einzelhandels, wie der neu positionierten Innenstadt von Essen und attraktiven Zentren, wie dem RRZ und CentrO, gilt es, die Mülheimer Innenstadt kreativ und besonders zu positionieren und ihr deutliche neue Impulse zu geben, damit sie auf Dauer in diesem Konzert laut mitspielen kann. An solchen tragfähigen Konzepten scheint es zu fehlen.

Die Kirchen sehen sich angesichts interner Probleme und damit verbunden einem Rückgang, der aktiv partizipierenden Gläubigen im Stimmungstief.

Gerade die Kritik der Kirche überrascht, da Märkte günstige Einkaufsmöglichkeiten auch für wirtschaftlich Schwache bieten und gemeinsame Aktivitäten der Familie nach dem Ende der Hauptgottesdienstzeiten ermöglichen. Die Öffnungszeiten der Märkte richten sich seit dem Wormser Konkordat im Jahre 1122 nach dem Ende der Hauptgottesdienstzeit 11:00 Uhr.

Gewerkschaften setzen sich seit Jahren gegen Beschäftigung und Arbeiten am Sonntag ein. Insbesondere verkaufsoffene Sonntage werden dabei immer wieder thematisiert. Die aktuelle Reduzierung auf nur noch vier verkaufsoffene Sonntage p. a. in Mülheim ist auch auf die Aktivität der Gewerkschaften zurückzuführen, steht aber klar im Widerspruch zu den Interessen des mittelständischen Einzelhandels. Die Gewerkschaften sehen in Marktveranstaltungen Wettbewerb für den stationären Einzelhandel, der angeblich die Ertragslage im EZH und damit Arbeitsplätze gefährdet. Dabei ist den Gewerkschaften ein Dorn im Auge, dass, anders als die stark organisierten Beschäftigten im stationären EZH, die wenigen Mitarbeiter im Markthandel kaum organisiert sind. Der Markthandel wird deutlich dominiert von ca. 40.000 selbstständigen Kleinunternehmern in NRW.

Die Schaustellerbranche befindet sich seit mehr als 20 Jahren in einem deutlichen Veränderungsprozess und kämpft mit Besucherschwund. Große attraktive Veranstaltungen wie die Düsseldorfer Rheinkirmes, die Cranger Kirmes in Herne oder das Oktoberfest in München haben nach wie vor einen unglaublichen Erfolg. Die kleinen und mittleren Veranstaltungen leiden deutlich. Es ist den Schaustellern bislang oft nicht gelungen ihre Konzepte zu überarbeiten und ihre Branche zeitgemäß neu zu erfinden.

Die nun aktiven Interessensgruppen haben diese und andere Probleme. Daran sollen nun wesentlich Marktveranstaltungen Schuld sein? Mitnichten!

Märkte gibt es, seitdem es Städte gibt. Märkte spielten und spielen eine zentrale Rolle im städtischen Leben.

Ein Dorf wurde im Mittelalter durch Verleihung der Marktrechte Stadt. Märkte waren immer schon da, wenn Stadt sich dann um den Markt herum weiter entwickelte. Märkte waren dann immer Treffpunkt, Ort der Kommunikation und des Warenhandels. Eine Aufteilung in neue oder alte Waren hat es dabei nie gegeben. Märkte waren dann aber auch immer wieder ein Ort der Unterhaltung, der Darstellung, der Nachrichten und auch des Neuen.

Eine historisierende Verklärung wird der Bedeutung der Märkte auch heute nicht gerecht.

Erst im 19. Jahrhundert ist auf breiter Basis ein stationärer Einzelhandel entstanden. Erst in den 1960er Jahren sind dann, u. a. von Mülheim aus, stark filialisierenden Großbetriebsformen des EZH in Deutschland verbreitet worden, die heute im Wesentlichen, die deutsche Handelslandschaft prägen.

Der stationäre Einzelhandel hat sich auf diese Weise in das zuvor angestammte Geschäft der Märkte hineingedrängt und wichtige Versorgungsfunktionen übernommen Vergleichweise umsatzmäßig schwach, aber bei der Bevölkerung als Kommunikationsort beliebt, reaktivierten sich Marktveranstaltungen gleich Anfang der 70er Jahre zunächst im Rahmen der 68er und der Hippiebewegung als eine Art Alternative zum Kommerz, der immer stärker filialisierenden Großbetriebe des EZH. Schon bald aber wurde aus der Bewegung verschiedener hipper Randgruppen ein allgemeiner Trend. Schon nach kurzer Zeit wurde damals spürbar, dass es sich hierbei nicht nur um eine Modeerscheinung handelt, sondern um eine notwendige Ergänzung zum oft glatten, durchkonfektionierten und optimierten Einzelhandel. Märkte wurden wieder fester Bestandteil des gesellschaftlich etablierten Lebens einer breiten Bevölkerung und das interessanter Weise in nahezu allen Kulturen der Welt.

Einzelhandel und Märkte haben sich weiter entwickelt. Die Seele der Märkte ist jedoch nicht der Kauf, sondern die Kommunikation. „Kauf nicht ausgeschossen“ ist das Motto der vielen Besucher auch der Mülheimer Marktveranstaltungen. In Mülheim finden regelmäßig seit Jahrzehnten fast unverändert knapp 50 Marktveranstaltungen p. a. statt (real, METRO, Saarner Aue, RRZ). 10.000 bis 35.000 Besucher werden in Abhängigkeit vom Standort, Termin und Wetter je Veranstaltung gezählt (90.000 Besucher, wie immer wieder behauptet, treffen nicht zu).

Das wirtschaftliche Potential der Märkte wird völlig überschätzt. 6 € Umsatz für Waren und 3,50 € für gastronomische Leistungen gibt der Marktbesucher in Mülheim durchschnittlich aus, nicht mal annähernd 1% des jährlichen Einzelhandelsumsatzes in Mülheim.

Auf die Vorwürfe gegen die Märkte kann man gerne im Einzelnen eingehen. Sie sind jedoch weder gut beobachtet, noch in der Regel zutreffend, sondern nur verallgemeinernd und polemisierend zur Gestaltung einer Stimmung gegen Märkte formuliert.

Die ständige Wiederholung einer Unwahrheit macht sie auch nicht wahr, aber es könnte ja etwas daran sein.

Natürlich sind auch die Märkte in Mülheim nur ein Spiegel der Gesellschaft.

Trotz aller Bemühungen kann es im Einzelfall zu Verstößen, Regelüberschreitungen und Unregelmäßigkeiten kommen. Das wissen wir sehr gut. Die Mehrheit der Mitglieder des VDM führen ihre Unternehmen seit Jahrzehnten mit gutem Erfolg. Eine große Zahl an Mitarbeitern je Veranstaltung wird für die gesamte Organisation eingesetzt. Dazu gehört selbstverständlich u. A. die Kontrolle der einzuhaltenden Auflagen, die Überprüfung von Waren auf Herkunft und Markenpiraterie, die Einhaltung von Hygienevorschriften uvm. Regelverstöße werden direkt vor Ort abgemahnt oder führen in hartnäckigen Fällen zum sofortigen Marktverbot. Dennoch sind Unregelmäßigkeiten nirgendwo zu 100% auszuschließen, aber wir tun alles Erdenkliche und oft mehr als verlangt, um unsere Märkte in jeder Weise sauber zu halten. Es wird auch sicher schwer fallen qualifiziert das Gegenteil zu belegen.

Unsere Händler und unsere Besucher, Ihre Wähler, die Bürger Mülheims und der angrenzenden Städte, sehen mit uns in unseren Märkten die Fortsetzung einer langen Tradition und lieben diese Märkte seit Jahrzehnten. Anders ist der stabile Erfolg nicht zu erklären. Warum also ein geliebtes und beliebtes Stück Mülheim beschädigen, ohne Not?

Es hilft nicht eine Satzung à la Emmerich zu erlassen, die wirksam wie auch in Emmerich ohnehin nur Öffentliche und keine privaten Flächen treffen kann und möglicherweise auch denkbare und vom EZH gewünschte Marktveranstaltungen in der Innenstadt verhindern würde. Was sollte also aus unserer Sicht zur Beilegung des Konfliktes geschehen? Wir schlagen folgende Vorgehensweise vor:

1. Miteinander Reden
im Rahmen eines runden Tisch, moderiert, idealerweise durch die Stadt Mülheim diskutieren Vertreter des EZH, Kirche, Gewerkschaft, mit den in Mülheim aktiven Marktgestaltern. Dabei sollen die Probleme konkret benannt werden. Den Marktgestaltern wird Gelegenheit gegeben zu den Problemen Stellung zu nehmen und ggf. Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ggf. sind die Marktgestalter zu freiwilligen Selbstbeschränkungen bereit. Ziel des Gespräches sollte die Vorbereitung gemeinsam formulierter Ziele sein.

2. Verbessern und umsetzen
Die Stadt überarbeitet die Festsetzungsauflagen in Abstimmung mit den Marktgestaltern zur Erreichung der gemeinsam formulierten Ziele. Die Marktgestalter setzen die zugesagten Maßnahmen und Veränderungen um.

3. Selbstkontrolle und Kontrolle
Die Marktgestalter intensivieren die Selbstkontrolle auf den Märkten im Bewusstsein, dass auch die zuständigen Behörden die Einhaltung der Auflagen und vereinbarten Ziele kontrollieren.

4. Workshop der Querdenker
Regionale und überregionale Fachleute und Querdenker treffen sich in 5 Arbeitsgruppen zu je 8 bis 10 Teilnehmern unter Moderation z.B. eines erfahrenen Journalisten und diskutieren ohne Denk – und Sprechverbot über die Chancen und Potentiale der Mülheimer Innenstadt und wie sie gestärkt werden kann. Die besten Ergebnisse werden von den Gruppen in einer Abendveranstaltung vorgestellt und in der Folge zur Diskussion gestellt.

S. Mülheims Innenstadt stärken
Durch gemeinsame Veranstaltungen und geeignete Maßnahmen die Attraktivität der Mülheimer Innenstadt stärken und an der Profilierung in der Region arbeiten. Daran würden wir gerne mitarbeiten und helfen.

Sehr geehrte Damen und Herren, die AufgabensteIlung ist komplex. Das wissen Sie als die Gestalter der Politik und damit des Lebens und des harmonischen Miteinanders in Mülheim besser als jeder andere. Wenn wir hier wirklich etwas Gutes für Mülheim erreichen wollen, sollten und können wir hier gemeinsam vorgehen und sicher eine für alle gute Lösung finden. Gewinner dabei sind sicher die Stadt Mülheim und Ihre Bürger. Lassen Sie es uns gemeinsam versuchen.

Wenn dieses Ziel erreicht wird, hat auch die Initiative des Einzelhandelsverbandes am Ende genutzt. Wir würden uns sehr über ein persönliches Gespräch mit Ihnen und Ihrer Fraktion in einem von Ihnen auszuwählenden Kreis freuen.

Ihr Verband Deutscher Marktgestalter

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